Aus FMG-Information Juli 2008
Ja, aber...
Wir sind ein junges Ehepaar, beide Studenten, seit mehr als einem Jahr verheiratet und möchten gerne zur Unterstützung der Botschaft der Enzyklika Humanae vitae von unserem Weg erzählen.
Wir beide sind in kirchenfernen Familien großgeworden und haben daher - sobald wir wussten, dass wir gerne auch schon in unseren jungen Jahren katholisch heiraten möchten - um so mehr Wert auf eine gute Ehevorbereitung gelegt. So lasen wir uns gegenseitig Literatur zur christlichen Ehe vor, besprachen Gelesenes und Gehörtes und beteten um die Gnade, einst eine gute Ehe führen zu dürfen.
Selbstverständlich waren uns die Zwecke der Ehe - nämlich Zeugung und Erziehung von Kindern sowie gegenseitige Hilfestelllung - bekannt, wir bejahten die kirchliche Ehelehre voll und ganz und hielten uns dank der Gnade GOTTES geradezu vor ein katholisches Vorzeigeehepaar.
Vor allem durch unsere Bereitschaft, früh zu heiraten - und damit nicht (wie dies heute leider bei den allermeisten unserer Altersgenossen der Fall ist) in einem ungeordneten Verhältnis miteinander zu verkehren - hielten wir uns GOTT uns deinen Geboten gegenüber für ausreichend großzügig. Bildlich gesprochen meinten wir, dass GOTT sich mit dem kleinen Finger an unserer Hand schon begnügen werde.
Als geradezu heroisch galt es uns zudem, dass wir uns darin einig waren, in unserer Ehe dem Schöpfer nicht mit irgendwelchen künstlichen Verhütungsmitteln ins Handwerk pfuschen zu wollen. Im Gegenteil: wir freuten uns auf besonders viel Nachwuchs.
So sehr wir auch den ersten Zweck der Ehe bejahten, so sehr meinten wir, dass der richtige Zeitpunkt für ein Kind aber erst irgendwann nach dem Studium (also damals in frühestens vier Jahren...) gekommen sein würde. Im Nachhinein ist uns klar, dass diese uneingeschränkte Zustimmung zum Kind also nur eine (heute leider auch unter den meisten Katholiken so gängige) Zustimmung unter Vorbehalt war: Kinder ja, aber nur zu unsereen Bedingungen!
Zweifel
Schon vor der Eheschließung hörten wir von der Möglichkeit der natürlichen Familienplanung (bzw.natürlichen Empfängnisregelung) und beschlossen, diese in der Ehe nutzen zu wollen. Denn wir glaubten, mit dieser Methode einen Weg gefunden zu haben, wie wir einerseits unsere volle Bereitschaft für das Kind aufrecht erhalten und andererseits den Zeitpunkt der ersten Emfpängnis nach unserem Geschmack gestalten könnten. Die Methode der natürlichen Empfängnisregelung schien uns deshalb richtig, weil wir ja nur das tun wollten, von dem wir ausgingen, dass es auch die Kirche gutheißt,; denn schließlich wird nat.Empfängnisregelung oft als katholische Alternative zu Pille & Co. beworben.
Doch nach zwei Monasten Ehe tauchten erstmals leise Zweifel auf, ob denn unser Umgang mit der Kinderfrage tatsächlich so vorbildlich ist, wie wir das bis dahin annahmen.
Wir beide wissen nicht mehr, ob es überhaupt einen äußerden Anlass gab und wenn ja, welcher es konkret war, der uns anhielt, unsere Haltung zu überdenken. Zumindest mir als Ehefrau ist aber noch gut in Erinnerung, wie ich immer stärker ein ungutes Gefühl beim Praktizieren der natürlichen Empfängnisregelung hatte, da wir doch gerade immer die wertvollste Zeit im Zyklus völlig außen vor ließen.
Gerade als wir begannen uns intensiver über diese Frage auszutauschen und uns bewusst wurde, dass wir vor einem Problem standen, bekamen wir Post vom lieben GOTT: Absolut unvorhergesehen und unerwartet flatterte uns die Broschüre Liebe, die aufs Ganze geht ins Haus - und mit ihr die Ausführungen der uns bisher fast nur vom Namen her bekannten Enzyklika Humanae Vitae.
Wir verschlangen geradezu die Erfahrungen der Ehepaare und lasen aufmerksam die Auszüge der Enzyklika.
Und wir wollten es genauer wissen und besorgten uns den vollständigen Text der Enzyklika. Insbesondere dort, wo der Papst von der erlaubten Geburtenregelung spricht, fielen uns zwei Dinge auf, die uns auch in den darauffolgenden Wochen sehr beschäftigen sollten: In Nr.16 der Enzyklika schreibt der Papst: Wenn also gerechte Gründe dafür sprechen, Abstände einzuhalten in der Reihenfolge der Geburten (...), ist es nach kirchlicher Lehre den Gatten erlaubt, dem natürlichen Zyklus der Zeugungsfunktionen zu folgen (...).
In der Konsequenz dieser Stelle ergab sich für uns zunächst die Erkenntnis, dass wir gar nicht zur Zielgruppe derer gehörten, für die die zeitweilige Enthaltsamkeit eine Möglichkeit der Geburtenplanung darstellte.
Denn zum einen gibt der Papst an, dass die natürliche Empfängnisregelung als Methode der Geburtenplanung nur dort rechtmäßig angewendet werden darf, wo schon ein Kind oder mehrere Kinder geboren sind (...in der Reihenfolge der Geburten...). Dies allerdings war bei uns ja ganz offensichtlich nicht der Fall...
Zum anderen machten wir uns Gedanken darüber, was denn in unserem Fall gerechte Gründe für die zeitweilige Enthaltsamkeit als Mittel der Geburtenregelung wären.
Wir stellten uns zunehmend die Frage, was für uns die eigentlichen Beweggründe sind, die es uns als gerechtfertigt erscheinen lassen, in unserer Ehe die natürliche Empfängnisregelung zu praktizieren. Mehr und mehr wurde uns klar, dass wir keinen wirklich triftigen Grund anführen konnten, mit der Gründung einer Familie nicht schon jetzt zu beginnen. Denn keinesfalls müsste bei der Geburt eines Kindes dieses oder wir Hunger leiden oder frieren.
Im Hinblick auf die Situation so mancher Familie in Entwicklungsländern, für die solche Gründe tatsächlich triftig sein können, erschien uns die Rücksicht auf unsere finanzielle Lage gerade in Deutschland eher als eine Ausrede.
Den zweiten Grund, den wir prüften, war die Frage nach der Wichtigkeit einer abgeschlossenen Berufsausbildung, besonders für mich als Ehefrau und eventuell zukünftige Mutter. Aber auch hier sind wir zu dem eindeutigen Ergebnis gekommen, dass für uns als Eheleute unbedingten Vorrang die Familie haben soll - schließlich erfüllt sich ja gerade hierin die Sendung, die GOTT selbst in die Ehe - auch in unsere - gelegt hat.
Uns wurde traurig bewusst, dass wir uns mit unserem eigenmächtigen Überlegen und Planen bezüglich des richtigen Zeitpunktes für die Geburt eines Kindes weniger von der Dienstbereitschaft gegenüber dem Schöpfer und der göttlichen Vorsehung haben leiten lassen, als vielmehr vom Zeitgeist.
Drastisch formuliert könnte man sagen, die Heiden verhüten mit der Pille, wir als Katholiken aber praktizieren die natürliche Empfängnisregelung. Denn im Grunde genommen nutzten wir die periodische Enthaltsamkeit mit allen ihren technischen Zutaten wie Kalenderberechnung und Temperaturmessung ja in verhütender Absicht.
Und genau dies scheint unserer Meinung nach auch ein großer Nachteil der natürlichen Empfängnisregelung zu sein: die verhütende Absicht, mit der sie vielfach (oft auch unbewusst) praktiziert wird. Viel zu wenig wird selbst in solcher Literatur, welche die natürliche Empfängnisregelung empfiehlt, darauf aufmerksam gemacht, dass durch die allzu intensive Beschäftigung mit der Mechanisierung des geschlechtlichen Lebens die Grundrichtung der Seele von der Erfüllung der Liebe auf die Erfüllung des Begehrens abgelenkt wird.
Leider wies uns auch kein Priester darauf hin, dass junge Gatten ihr Eheleben normalerweise nicht mit der periodischen Enthaltsamkeit zur Hinausschiebung der Empfängnis beginnen sollten, falls nicht ganz besondere Verhältnisse vorliegen. Denn erst der bewusste heilige Dienst am Leben gibt ihrer Begegnung die beglückende Tiefe und die schützende Ehrfurchtshaltung; vielfach wachsen sie erst am Kind seelisch stark zusammen.
Durch die Lektüre der Schrift Liebe, die aufs Ganze geht und der Enzyklika erhielt unsere Großzügigkeit gegenüber GOTT neue Schwungkraft. Immer anziehender wurde für uns auch die tiefere Einsicht in den zentralen Auftrag der Ehe, nämlich fruchtbar zu sein (vgl.Gen 1,28), zu dem uns der Schöpfer selbst als Seine Mitwirkenden berufen hat. Erst jetzt wurde uns auch für unsere Ehe so richtig der Zusammenhang zwischen ehelicher Liebe und Nachkommenschaft klar.
Entscheidung
Wir nahmen uns für eine endgültige Entscheidung bezüglich des richtigen Zeitpunktes für das erste Kind bewusst Zeit. Wir wollten uns nicht überstürzt festlegen, sondern alles in Ruhe bedenken, die Mutter vom guten Rat um Hilfe bitten, unser Anliegen wieder und wieder vor GOTT bringen und um rechte Erkenntnis bitten. Nach noch einmal drei Monaten war uns klar, dass es richtig ist, sich GOTTES Zeitplänen zu überlassen und darauf zu vertrauen, dass Seine Vorhaben mit uns die besten sein werden.
Nach dem langen Ringen war die Erleichterung nun endlich den richtigen Weg gefunden zu haben, in jeder Hinsicht groß.
Nicht nur das Denken über die eheliche Sexualität hat sich seither geändert, auch das Erleben derselben ist ein anderes geworden.
Es ist eine unsagbare Aufwertung der ehelichen Begegnung, wenn man sie bewusst - und ganz konkret - offen für neues Leben erleben darf. Auch ist es eine viel intensivere und innigere Nähe, die unter den Ehegatten unter diesen Umständen erfahrbar wird - eine Nähe, die weit in den ehelichen Alltag hinein ausstrahlt.
Nochmals im Bild gesprochen, könnte man sagen: wir machten die Erfahrung, dass Gott den kleinen Finger, der ihm großzügig entgegengestreckt wird, in seine große Hand nimmt, um so auf den guten Weg zu führen.
Und jetzt?
Wir erwarten nun voller Freude unser erstes Kind, dem hoffentlich noch viele Geschwister geschenkt werden. Wir wären darüber jedenfalls sehr glücklich und sind zutiefst dankbar, den Schatz der Enzyklika schon jetzt für unser Eheleben gehoben zu haben - zu einer Zeit, in der es uns noch möglich ist, ihn in unserem Leben mit GOTTES Hilfe fruchtbar werden zu lassen.
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[align=center]Familie Gottfired Hofmann-Wellenhof, Graz[/align]